Nur manchmal ist Natur uns noch so unmittelbar wie in den Ber-gen, wo die Luft mit einem würzigen Aroma in die Nase steigt, der Boden unter den Füßen bis an den Horizont reicht, unvermittelt die Wolken streift: nah und weit, steinig kompakt und schwe-bend wattig zugleich.
Schnell verliert der Städter die angemaßte Überheblichkeit, taucht mühelos in Natur ein. Er spürt ihr Dasein selten so leibhaftig wie im Gebirge, wo Freda Heyden ihre Imagination des Luftwanderers am Hang des Pinzgau plaziert hat.
An zwei sechs Meter hohen parallelen Eisen-stangen wölben sich mit leichter Biegung nach innen zweiundzwanzig Lärchen-zweige zueinander. Wenn der Wind sie sanft bewegt, ist es, als ob der riesenhafte Rumpf atme. Bilder vom Thorax eines Dino-sauriers stellen sich ein. Die knochigen Überreste eines Urzeit-viehs kreuzen sich plötzlich mit der Raum- und Geruchsfülle der vor Äonen von Eismassen geschliffenen gewaltigen Landschaft. Die Präsenz erhabener Naturschönheit und die Spuren menschenleerer Vorzeit stoßen hier aufeinander und erzeugen eine gleichermaßen surreale und sinnlich reale Situation. Die sperrige Ungleichzeitigkeit prägt sich in die Phantasie ein und versetzt sie in Schwingung.
Freda Heyden vergegenwärtigt eine Epoche der Erdgeschichte die herkömmlich nur im Museum ausgestellt wird. Der bezaubernde Reiz ihrer Arbeit besteht nun gerade darin, dass sie die Wirklichkeiten einander annähert. Die Körperhaftigkeit aus
Raum, Zeit und Luft verrückt den Betrachter. - Er genießt den Schwindel.
Roswitha M. Kant, Wiesbaden